Planspiel zu den Arbeitsbedingungen im Unternehmen Foxconn (China)

Ein Workshop-Bericht aus der Einführungsphase
(E-Phase = 11. Klasse) unseres Gymnasiums:

Am Donnerstag, dem 13. November 2014, bekamen wir im Fach Wirtschaftswissenschaften Besuch von zwei Referentinnen des Entwicklungspolitischen Bildungs- und Informationszentrum (EPIZ), mit denen wir uns in vier Stunden unter anderem über die Herstellung von Apple-Produkten und den Arbeitsbedingungen der Menschen in China bei Foxconn auseinander gesetzt haben. Foxconn stellt neben iphones auch Laptops z.B. für Dell und HP her. In der Süddeutschen Zeitung erschien hiezu u.a. der Artikel "HP-Zulieferer Foxconn wieder am Pranger".

Viele bei uns bekannte Marken werden in Zusammenarbeit mit Foxconn hergestellt. Insgesamt 40% aller Elektronikartikel der Welt stammen gemäß der von uns bearbeiteten Workshop-Quellen des EPIZ von Foxconn.

Zur Einleitung sahen wir uns zwei Filmausschnitte an, in denen eine Mitarbeiterin des Unternehmens Foxconn interviewt wurde. Thematisiert wurden die unmenschlichen Arbeitsbedingungen des Zulieferers Foxconn am konkreten Beispiel von Apple-Produkten. Ausgangspunkt des Films war insbesondere die Selbstmordserie, die durch die schlechten Arbeitsbedingungen, Lohnminderungen und die schlechten Lebensbedingungen international für Schlagzeilen gesorgt haben. So berichtete der SPIEGEL über den Zulieferer Foxconn mit der Überschrift "Hier herrschen Befehl und Gehorsam".

Auch die F.A.Z. berichtete in einem Artikel ("300.000 Menschen nur für die iPhone-Produktion") darüber, dass Foxconn für Apple eine Produktion der Superlative betreibt. Dort heißt es: "In einem einzigen Werk in China arbeitet eine Belegschaft von der Größe der Stadt Bonn - ausschließlich an der Herstellung des iPhones." 

Eine 21-jährige Arbeiterin, die an sechs Tagen in der Woche von 8.00 bis 20.00 Uhr arbeitet, berichtet: „Die Atmosphäre am Arbeitsplatz ist eng und bedrückend, über 12 Stunden ist es uns nicht erlaubt, miteinander zu sprechen, sonst werden wir vom Vorarbeiter getadelt. Sie gewähren uns nur 30 Minuten für das Mittagessen und wir dürfen nicht länger als zehn Minuten zur Toilette gehen“. Weiter berichtet sie, dass sie täglich 6.30 Uhr aufstehen muss und – da es keinen Shuttlebus gibt – täglich eine Stunde zur Arbeit gehen muss. Der Verdienst liegt inklusive Überstundenzulagen bei 2.000 Yuan (das sind 240 Euro) im Monat.

Nach diesem Themeneinstieg begannen wir mit dem Planspiel. Dabei wurde unsere Klasse in unterschiedlichen Gruppen eingeteilt. Aufgabe war es, eine Rolle als Unternehmensleitung in China, als Mitarbeiterinnen, Vertreter einer Nichtregierungsorganisation (NGO), Redakteure einer staatlich orientierten Zeitung, Pressevertreter einer staatlich kritischen Zeitung sowie Vertreter des auftraggebenden Unternehmen Apple einzunehmen. Folgende Spielregel galt es dabei zu beachten: nur die Presse hatte jederzeit Zugang zu allen Gruppen, auch ohne Ankündigung oder Einladung; die anderen Gruppen durften keinen mündlichen Kontakt untereinander aufnehmen, sondern nur schriftlich. Die Spielleitung übernahm dann die Aufgabe der Post.

Am Ende der Interaktionsphase berief die Internationale Labour Organisation (ILO) eine Versammlung unter Leitung der Spielleitung ein, in der es um das Suchen einer gemeinsamen Lösung ging.

Die Schülerin Aleyna Akyildiz schreibt in ihrem persönlichen Resümee: „Dieser Workshop gab uns wichtige Informationen über die Arbeitsbedingungen bei der Firma Foxcon in China. Wir konnten uns einen ganz anderen Blick auf die Massenproduktion verschaffen. Wir überlegten gemeinsam, wie man in einer solchen Lebens-Arbeitssituation helfen kann. Dabei tauchte bei uns auch das Argument auf, „dass da nichts zu machen sei“, weil der Einzelne wenig bewirken kann. Letztendlich waren wir uns jedoch alle einig, wenn alle Menschen so denken, wird sich wenig ändern. Jeder einzelne Mensch kann etwas bewirken und damit einen großen Schritt vorwärts gehen.“

Der Schüler Nils Schmucker stellte für sich persönlich fest: „Als wir zum Schluss das Planspiel auswerteten, kamen wir zum Ergebnis, dass es schwierig ist gegen Produktionsfirmen wie Foxconn etwas zu unternehmen, da die wirtschaftliche Lage in China nicht mit der europäischen Lage zu vergleichen ist. Aus diesem Workshop nahmen wir mit, dass man die Arbeitsverhältnisse in China nicht durch den Kauf jeglicher Produkte von Apple unterstützen sollte.“

 

Verfasst von Aleyna Akyildiz und Nils Schmucker (E 41).

Leicht gekürzt und durch einige Details ergänzt durch Frau Albrecht-Richter (Fachlehrerin), die auch sämtliche Fotos des Tages erstellte.