Physik-Exkursion: Unser eigener kleiner Klimagipfel

Von Sebastian Sarpen und Robert Lorenz

- Schüler der Fachoberschule (FOS) -

Am Dienstag, den 6. November 2012 besuchten wir als Physik-Kurs mit Herrn Dulling unseren eigenen kleinen Klimagipfel auf der Veranstaltung von ZEIT WISSEN "Vorteil oder Nachteil Deutschland - wohin entwickelt sich die Energiewende".

Diskussionsfrage: Die Energiewende ist eine große Herausforderung für Deutschland. Sie gelingt nur, wenn alle Räder ineinandergreifen und die erforderlichen Investitionen richtig eingesetzt werden. Wie kann dieses Mammutprojekt realisiert werden?

ZEIT WISSEN-Chefredakteur Jan Schweitzer diskutierte über diese und andere Fragen mit:

• Prof. Dr. JustusHaucap, Direktor des Düsseldorf Institute for Competition Economics (DICE),

• Roland Hipp, Kampagnen-Geschäftsführer von Greenpeace Deutschland,

• Dr. Ludwig Möhring, Mitglied der Geschäftsführung der WINGAS GmbH

und Johannes Remmel, Minister für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen (Bündnis 90/Die Grünen).

Die Einleitungsfrage des Abends lautete, wie zufrieden die Diskutanten mit dem Energieklimagipfeltreffen waren und ob Ihre Erwartungen erfüllt worden sind. Die Teilnehmer erhofften sich im Allgemeinen mehr. Sie sind der Meinung, dass bei der Energiewende wichtige Entscheidungen getroffen werden müssen, welche nicht weiter nach hinten verschoben werden sollen.

Herr Schweitzer startete die Diskussion und fragte Herrn Haucap, wie er die Vergütung durch Einspeisung von Strom durch erneuerbarer Energien in das Netz sieht.

Herr Haucapsieht das Problem in der Einspeisung von Strom, auch bei geringer Nachfrage. Die Netzbetreiber sind dazu verpflichtet, den Strom von privaten "Einspeisern" auch bei geringer Nachfrage zu kaufen bzw. zu nehmen. Es entstehen sogenannte "negative Preise" welche ökologisch schlecht sind und die Strombörse beeinflussen.

Herr Hipp kontert, dass Deutschland die Energiewende aufrechterhalten muss und sich klar gegen Atom(-müll) positionieren muss. Deutschland ist Vorreiter bei der Nutzung von erneuerbaren Energien. Dies bedeutet, dass große energieintensive Betriebe die Kosten mittragen müssen.

Herr Remmel sieht die Energiewende als Kampf der Monopole, bei dem Rahmenbedingungen von der Politik gefordert sind. 

Herr Möhring macht auf die Problematik in der Wirtschaftlichkeit der Braun-/Steinkohle aufmerksam.

Im Großen und Ganzen stehen sich vier unterschiedliche Meinungen gegenüber, die Diskussion ist entfacht und es entstehen hitzige Wortgefechte.

Herr Hipp machte darauf aufmerksam, dass bisherige steuerliche Begünstigungen für Atom- und Kohleenergie an den Kosten der Energiewende berücksichtigt werden müssen. Investitionen für regenerative Energie wären daher gleich zu konventioneller Energie, wobei jedoch die Vorteile in der Zukunft klar bei der Energiewende sind. Er spricht außerdem die Kopplung der CO2 - Menge an, wobei der CO2 - Handel von Zertifikaten der Länder ein Problem darstellt. So ist es für Länder einfacher die CO2 - Ziele durch Käufe von Zertifikaten zu erreichen, was jedoch gegen den Klimaschutz spricht.

Herr Remmel behauptet, dass Strom vom Dach auch am letzten Winkel der Welt günstiger wäre als von der Steckdose.

Herr Haucamp sieht die Notwendigkeit in der Änderung des aktuellen Modells. Die bisherige (EEG-) Umlage sichert privaten Haushalten für die nächsten 20 Jahre Finanzierung zu, wenn diese Strom in das Netz einspeisen. In der Zukunft müsse es ohne staatliche Förderung gehen.

Herr Remmel macht deutlich, dass der Zukunftsgedanke auf die Lagerung der Energie fokussiert werden muss, wonach das Speicherproblem von Energie durch die Umwandlung von Wasserstoff zu Methan gelöst werden soll. Die zukünftige Lösung liegt in der Forschung.

Die Diskutanten sind sich einig, dass es Veränderungen der EEG-Umlage geben muss und alle Sprachen sich für das Vorantreiben der Energiewende aus.

Publikumsfragen: Die Hälfte auf der Welt installierten Photovoltaikanlagen sind in Deutschland installiert. Dies ist fraglich, da Deutschland sonnenärmer ist als viele andere Länder. Was soll politisch passieren gegen eine mögliche Kostenfalle?

Herr Remmel erklärt, dass an einigen Tagen die Photovoltaikanlagen einer Energie von 22 großen Energiekraftwerken gleich werden. Dies ist eine beeindruckende Zahl. Er sieht eine Änderung der EEG-Umlage für notwendig, hält jedoch weiterhin fest an der Klimawende. Es ist weiter notwendig Forschung zu betreiben um die Speichertechnologie voran zu bringen.

Wäre in diesem Zusammenhang Strom aus dem Ausland ökologischer?

Herr Hipp erklärt, dass das sogenannte Desertec-Projekt vorsieht, mit einer Riesensolaranlage in der Sahara-Wüste Europa und Afrika mit Energie zu versorgen. Hier steht man jedoch noch vor geostrategischen Problemen. Dies wäre aber bereits auf China anwendbar, wo die CO2 - Ausschüttung sehr hoch ist. Herr Möhring fügt hinzu, dass es hier auch notwendig ist den Strom in Wasserstoff umzuwandeln um es so möglich zu machen, diesen zu lagern und zu exportieren, und dann wieder umzuwandeln. Dieses sogenannte Power 2 Gas Verfahren muss weiter erforscht werden.

Ist die Politik das Problem?

Herr Remmel macht deutlich, dass regionale Betriebe notwendig sind und am Standort festgehalten werden müssen, da auch viele Arbeitsplätze daran hängen. Viele energieintensive Betriebe z. B. Aluhütten müssen auch unterstützt werden, um im internationalen Wettbewerb zu bestehen, auch gegen Länder in denen sie die Energie günstiger bekommen. Diese Wirtschaftsketten dürfen durch die Energiewende nicht kaputt gemacht werden.

Fazit: Die Energiewende ist richtig. Die Frage ist, wie dieser zukünftige Weg aussehen wird.