Exkursion in das ehemalige Stasi-Gefängnis in Berlin-Hohenschönhausen

 

Der Geschichtskurs des zweiten Semesters unternahm am 22. Mai 2015 eine Exkursion in das ehemalige Stasi-Gefängnis in Berlin-Hohenschönhausen. In dem Untersuchungsgefängnis litten zahlreiche Menschen, die sich der kommunistischen Diktatur widersetzt hatten. Die Besucher werden in der Regel von ehemaligen Häftlingen durch das Gelände geführt. Bei unserem Besuch in der Gedenkstätte übernahm Torsten Rupnow die Führung, der selbst mehrere Monate in dem Stasi-Gefängnis verbrachte.

Lesen Sie den Bericht der Schülerinnen Laura Böttcher und Vanessa Welack (mit vielen Fotos).

Als Einführung schauten wir einen Kurzfilm, der den Verlauf und die Entstehung der DDR und der Stasi zeigte. Es wurden berühmte Opfer gezeigt, die meistens auch in diesem Gefängnis eingesessen haben. Im Anschluss wurden wir von dem Guide, Torsten Rupnow, abgeholt und durch das Gefängnis geführt. Herr Rupnow hat selbst einmal in dem Stasi-Gefängnis eingesessen. Er selbst ist Guide, weil es ihm wichtig ist, das Zeitzeugen davon berichten, weil sie über ihre Gefühle und Erfahrungen ganz anders berichten können. Eingesessen hat er wegen „Republikflucht“ und dafür insgesamt 3,5 Monate im Stasi-Gefängnis und weitere 11 Monate im Zuchthaus verbringen müssen.

(Bild Thorsten Rupnow) Hier ist unser Guide und Zeitzeuge Torsten Rupnow zu sehen.

(Bild Plan für Gefängnis) Auf dem Bild ist das grau markierte Feld das noch heute bestehende und zu besichtigende Stasi-Gefängnis.

(Bild Haftkrankenhaus) Das Haftkrankenhaus ist ein Bestandteil des Stasi-Gefängnis.

(Bild U-Boot Zellen Gang) Der lange Gang der sogenannten U-Boot Zellen. Diese Zellen nennt man so, weil sie unter der Erde sind und man in diesen Zellen keine Fenster und auch wenig Luft bekommt.

(Bild U-Boot Zelle einzeln) Hier ist eine U-Boot Zelle zu sehen, in der nur eine einzelne Person untergebracht wurde. Zu sehen ist eine Pritsche, auf der die Inhaftierten tagsüber nicht liegen oder sitzen durften. Der kleine graue Eimer war damals die Toilette. Die Inhaftierten hatten keine Möglichkeit sich hygienisch zu säubern, lediglich einmal am Tag bekamen sie eine kleine Schüssel mit kaltem Wasser. Handtücher, Waschlappen, Toilettenpapier und Hygieneartikel für Frauen gab es nicht.

(Bild Ali) Hier ist die Steh-Folter-Zelle zu erkennen, in denen die Inhaftierten über Stunden geduckt stehen mussten.

(Bild Barkas Wagen komplett) In diesen „Barkas“ Wagen, die oft als Lebensmittel Transporter getarnt waren, wurden die Inhaftierten oft über Stunden durch die Gegend gefahren, damit sie keine Orientierung mehr hatten. Oft wussten sie nicht, dass sie noch in (Ost-)Berlin waren.

(Bild Barkas Wagen nahe) In der kleinen linken Ecke des Bildes ist die einzelne „Zelle“ zu sehen, wo die Inhaftierten angekettet wurden. Sie hatten maximal einen Platz von ca. 45x65 cm.

(Bild Gummizelle) In der Gummizelle wurden die Inhaftierten oft über Tage eingesperrt. Sie wussten nie wirklich, ob es Tag oder Nacht ist, da es in dieser Zelle sehr dunkel war.

(Bild Gummizelle Tage) Hier ist zu sehen, dass ein Inhaftierter die Zahl der Tage seiner Haft in das Gummi eingeritzt hat.

(Bild Gang der oberen Zellen) Dies ist der Gang der oberen Zellen. Hier waren Menschen mit den kleineren „Verbrechen“ eingesperrt.

(Bild Zelle ohne Anzug) Einfache Zelle mit einer Pritsche. Die Inhaftierten hatten in der Zelle eine Toilette, ein Waschbecken und ein Tisch mit Hocker, zudem noch einen kleinen Schrank, in dem Zahnbürste und eine Schüssel für das Essen verstaut waren.

(Bild Zelle mit Anzug) Auf diesem Bild kann man erkennen, dass die Inhaftierten einen Trainingsanzug und Hausschuhe gestellt bekommen haben, auch hier ist ebenfalls eine Toilette, ein Waschbecken und ein Tisch mit Hocker da, außerdem hatten die Inhaftierten eine Matratze. Obwohl die Zelle humaner eingerichtet war, hat man bei den Inhaftierten eine physische Schlaf-Folter ausgeübt. Die Inhaftierten mussten gerade auf dem Rücken liegen und die Hände über die Decke legen. Alle zehn bis zwanzig Minuten kam ein Wachmann und kontrollierte, ob der Inhaftierte seine Schlafposition noch einhält. Wenn er es nicht tat, wurde gegen die Tür getreten oder der Inhaftierte wurde angeschrien. Die Inhaftierten litten ständig unter Schlafentzug.

(Bild Überwachungskamera fehlt) Auf dem Gang gab es viele Überwachungskameras, mit denen auch die Wachleute überprüft wurden. Zudem wurde der Kontakt zwischen Inhaftierten und Wachpersonal strikt untersagt, dies konnte man anhand der Überwachungskameras sehen.

(Bild Vernehmungsraum) In diesem Raum wurden die Inhaftierten, meist nach 22:30 Uhr, vernommen. Auch hier wurde oft die physische Folter ausgeübt.

(Bild Gruppenfoto) Zum Schluss sind die Schülerinnen und Schüler des Geschichtskurses zu sehen. Alles in allem war es eine sehr interessante und gelungene Exkursion. Wir danken besonders Nino Maschke, dass er diesen Besuch in der Gedenkstätte so zeitnah organisieren konnte. Wir danken auch Torsten Rupnow, dass er sich für uns Zeit genommen hat und die Führung sehr spannend gestaltet hat.

Verfasser: Laura Böttcher und Vanessa Welack

Fotos: Vanessa Welack