Soziale Kompetenzen sind uns wichtig

An unserem beruflichen Gymnasium treffen Schüler der verschiedensten Nationalitäten, Traditionen und Glaubensrichtungen zusammen. Unterschwellige Spannungen in der Schülerschaft gibt es vor allem durch Vorurteile, die überwiegend auf Unwissenheit beruhen. Es kommt dabei nicht zu offenen Auseinandersetzungen, aber es ist auch kein wirkliches Verständnis für den Anderen vorhanden.

Um mehr Empathie für das Andersartige zu entwickeln, hat sich die E-Phasen-Klasse E 22 vom 28.08. bis 29.08.2012 zu einer zweitägigen Kennenlernfahrt im Haus Kreisau getroffen. Neben dem oberflächlichen Kennenlernen wurde ein besonderes Augenmerk auf die Integration gelegt.

Durch eine provokante Andersartigkeit gegenüber dem Üblichen sind die Schüler mit der Frage nach dem ‚Normalen’ konfrontiert worden. Hierbei ergab sich umgehend, dass die Frage der Normalität vielfach mit Nationalität, Tradition und Glauben in Verbindung tritt. Insbesondere letzteres ist für viele nicht-deutsch-stämmige Schüler ein Gradmesser für Normalität.

Hieraus ergab sich fast zwangsläufig der Ansporn, die jeweils anderen Religionen genauer kennenzulernen. Aus diesem Grund sind wir dann zur Sehitlik Moschee in Tempelhof gefahren, um uns bei einer Führung über die Moschee und den islamischen Glauben zu informieren. Die meisten nicht-muslimischen Schüler staunten über die schöne Architektur und die vielen Gemeinsamkeiten zum Juden- und Christentum. Auch Fragen zur Beschneidungsdebatte, zum Konfessionswechsel und zum Dialog der Religionen wurden erörtert.

Im Anschluss daran besichtigten wir die Heilig Kreuz Kirche in der Nähe. Auch dort erhielten wir eine fachkundige Führung, bei der die muslimischen Schüler nun ihrerseits die Gemeinsamkeiten der monotheistischen Religionen erkannten. Ferner wurden auch Fragen zu den unterschiedlichen christlichen Glaubensrichtungen beantwortet.

Am zweiten Tag stand zunächst ein sportlicher Teil mit Wandern, Rudern und anderen Spielen im Freien auf dem Programm. Dies ergab eine weitere Möglichkeit, sich auf einer anderen Ebene kennenzulernen. Das Wetter war ausgesprochen schön und so konnten die Beteiligten den Vormittag genießen.

In der abschließenden Diskussionsrunde wurde seitens der Schüler insbesondere betont, dass ihnen die Gemeinsamkeiten der monotheistischen Religionen klar geworden sind, was einen erheblichen Beitrag zum Verständnis des jeweils Anderen geleistet hat. Gleichsam wurde neben den Gemeinsamkeiten auf die Verschiedenheiten hingewiesen, die keinen Anlass zur gegenseitigen Missachtungen darstellen können, sondern eine Aufforderung zur Toleranz des Andersartigen ist. Hierbei gibt es Grenzen die jeweils akzeptiert werden müssen um bei der Vielfalt ein friedliches Miteinander zu gewährleisten.

Somit haben die Schüler in der Veranstaltung ihre sozialen Kompetenzen gestärkt und Möglichkeiten kennengelernt, mit Unterschieden konstruktiv umzugehen. Der Prozess des Erkennens von Gemeinsamkeiten, Unterschieden und Grenzen bei der Religionsdiskussion hat als Fazit die gegenseitige Toleranz bewirkt. Dieses Verfahren lässt sich gut auf Fragen der Tradition, Nationalität und grundsätzlich auf Andersartiges übertragen.

Als Ausblick kann man sich vorstellen, diese Art von Kennenlernveranstaltungen künftig mit allen E-Phasen durchzuführen und darüber hinaus auch in anderen Abteilungen der Schule anzubieten.

Jürgen Dulling, Leiter des beruflichen Gymnasiums